Cyber-Mobbing

Ich möchte in den nächsten Zeilen nicht meine eigene Meinung kund tun, sondern blanke Fakten über das Thema Cybermobbing auf den Tisch legen. Wenn ein Journalister einer Zeitung im Format einer NZZ oder einer FAZ hier vorbeischaut, dann dürft ihr diesen Beitrag gerne zitieren und mich für ein Interview kontaktieren ;D Spass beiseite, Cyber Mobbing ist definitiv eine ernste Sache und ich wollte auf dieses eher unschöne Thema trotzdem eingehen und euch, liebe Leser evtl. auch für dieses Thema sensibilisieren. Eines vorne hinweg: Ich bin ein Digital Native und liebe das Internet, aber ich verliere in diesem Text auch das eine oder andere kritische Wort. Dies aber nicht aus grundhass gegenüber vom Internet!

Der offiziellle Begriff von Cyber-Mobbing lautet (Cyber-)Bullying, deshalb werden wir im Text auch Bullying als Begriff verwenden. Das Phänomen von Bullying nahm seinen Anfang wohl bei Schülern, die Videos von Lehreren bearbeiteten und diese dann - unvorteilhaft für die Lehrer - ins Netzt stellten. Bullying verbreitete sich dann aber zunehmend auch unter den Schülern, Bullying erfolgt über Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, YouTube oder auch die diversen VZ-Netzwerke, zum anderen über Chatrooms, Foren aber auch über eigene Websiten der Usern. Heute berichten bereits 25% der Internetnutzer, auch schon dem Bullying zum Opfer gefallen zu sein. Mobbing im Internet ist oft weitaus vielfältiger als im realen Leben, so gibt es von beleidigenden Kommentaren, über persönliche Angriffe in Chats bis hin zu extremen Bildmanipulationen eine gesamte Bandbreite voll von möglichen Arten des Angriffs.

 

Oft kennen sich Opfer und Täter bereits aus dem richtigen Leben, der "Krieg" vom Pausenhof wird im Internet noch viel härter weitergeführt. Natürlich hat die "schützende" Anonymität des Internets seine zusätzliche Wirkung, dass der eine oder andere Täter seine Hemmungen verliert und Dinge tut, welche er von Angesicht zu Angesicht nie wagen würde. 
Die Folgen von Bullying sind oft noch weitaus prekärer als beim "normalen" Mobbing, denn dort sehen es nicht nur der/die Täter und das Opfer, sondern es sieht es die ganze Öffentlichkeit, bei Facebook sehen es nicht "nur" 1-3 Täter, sondern gleich alle 100, 200 oder wie viele Freund auch immer. Eine bestimmte Opferkategorie gibt es nicht, es kann eigentlich jeden treffen. Gefährdet sind oft Jugendliche, die auch in der Schule gemobbt werden, meist Jugendliche ohne starken Freundeskreis, der ihren Freund unterstützen/schützen könnte. 

Gesetzliche Grundlage

Ein Gesetz gegen Cyber-Bullying existiert auch in der Schweiz (noch) nicht, allgemein ein Anti-Mobbing-Gesetz existiert nicht, allerdings gibt es einige Gesetzte, dank welchen auch Cyber-Bullying zu einer Straftat wird. So z.B. eher "glimpfliche" Straftaten wie Beschimpfung (Art. 177 StGB),  Üble Nachrede (Art. 173 StGB), solche Taten sind aber eher klein, es gibt Strafen von bis zu 90 Tagessätzen (Beschimpfung) bzw. 180 Tagessätzen (Üble Nachrede), allerdings ist bei solche Vergehen das Verfahren usw. mehr mühsam  als das es etwas bringt. Ausserdem kann der Täter freigesprochen werden, wenn das Opfer diese Beschimpfungen "unmittelbar mit einer Beschimpfung oder Tätlichkeit erwidert". 

 

Allerdings bieten auch schwerwiegendere Straftaten wie "Unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem" (Art. 143 StGB), was z.B. der Fall ist, wenn jemand das Profil eines Freundes "hackt" und ohne dessen befugnisse benutzt. Dies kann mit einem Freiheitsentzug von bis zu 3 Jahren bestraft werden. Ein anderes Vergehen ist "Datenbeschädigung" (Art. 144 StGB) und wird mit 3 Jahren Freiheitsentzug bestraft, bei schlimmem Missbrauch kann sogar bis zu 5 Jahren ausgesprochen werden. 

 

Häufig ist dies den Leuten aber nicht bewusst, zum Anderen fallen oft die Täter auch noch unter das Jugendstrafrecht, aus diesen Gründen gibt es eher wenige Strafen auf Grund von Cyber-Bullying, wobei solches oft schon extreme Masse erreichen kann.

Massnahmen

In der Schweiz ist die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) für die Präventions-Massnahmen in solchen Fällen zuständig. Die SKP hat im Dezember 2009 die Präventionskampagne "Safersurfing" gestartet. Dabei wird spezifisch auf die Gefahren von Social Networks wie Mobbing oder auch Sucht eingegangen. Die Website bietet Eltern sowie Jugendlichen verschiedene Angebote an, darunter ein Gesprächsleitfaden, welcher Eltern helfen soll, mit ihren Kindern über die Probleme der Social Networks zu diskutieren. Über Sinn und Unsinn dieses Ratgeberbogen lässt sich definitiv streiten, aber die Mühe des SKP auch hier den Eltern, welche mit den neuen Techniken oft überfordert sind, unter die Arme zu greifen ist auf jeden Fall eine Erwähung wert. 

Ein Beispiel von Cyber-Bullying

So vorerst genug Theorie, ich möchte jetzt mal ein konkretes Beispiel aus der Schweiz vorstellen, welches in einem offiziellen Bericht vom Bund zu finden ist. Zwei Jugendliche haben für einen "Freund" ein gefaktes Profil auf Netlog erstellt, dabei wurde das Foto des Schülers abgeändert. Im Profil stand Folgendes: "Über mich: Ich hasse überalles usländer - I wöts am liebste verschloh wer die site gseht - Chömed doch i ha kei schiss vo eu ihr schwuchlene...!" 

Am nächsten Tag haben die zwei Tätter auf mehreren Profilen von anderen MitschülerInnen Einträge, oft heftige Beleidungen und persönliche Angriffe hinterlassen. Diese Provokationen führten zu mehreren Drohungen gegen das Opfer, darunter auch Morddrohungen, welche aufgrund der angeblichen Ausländerfeindlichkeiten begründet wurden. Das Opfer wurde in der Öffentlichkeit gar von ihm unbekannten Personen aufgrund von diesem Profil angegriffen. 

Die Täter konnten von der Polizei überführt werden und wurden vor dem Jugendgericht wegen Verleumdung und Anstiftung zur Drohung verurteilt. Das Opfer musste sich in psychologische Betreuung geben, nachdem wechselte er an eine Privatschule. 

 

Hierbei handelt es sich um einen der schwerwiegendsten Fällen von Cyber-Bullying, die in der Schweiz bekannt sind. 

Wie benehmen?

Doch trotz allem ist es nicht unmöglich, dass man Opfer von Cyber-Bullying wird, deshalb möchte ich euch ein paar Tipps geben, wie man sich bei einem solchen Fall am besten benehmen sollte. Ich weiss, oft ist dies leichter gesagt als getan, aber ich möchte euch die Tipps wirklich ans Herz legen. Die Tipps wurden auch von diversen Kantonspolizeien bestätigt.


Am besten ist, die entsprechenden Einträge zu löschen, die Kontakte nach mehrmaligen Angriffen zu blockieren. Am schlimmsten ist allerdings ein Gegen-Angriff, da genau dies das Ziel der Täter ist, sie wollen gezielt provozieren. Ich denke, im Web fällt dies vielleicht sogar ein bisschen schwerer als sonst, aber glaubt mir, wie zahlreiche Quellen, welche vor kurzem mit Radio DRS gesprochen haben bestätigen, ist dies am Ende die beste Lösung. Bei Schülern wäre vielleicht der Ganz zum Lehrer oder zu den Eltern keine schlechte Idee, den Lehrern würde ich empfehlen, die Schüler für dieses Thema zu sensibilisieren, um die Angriffe zu verhindern oder um ihnen indirekt ein schlechtes Gewissen einzureden. 

Ein grosses Problem bei Mobbing ist, dass meistens MitschülerInnen nicht eingreifen, da diese selber Angst haben auch zum Opfer zu werden. Als unbeteiligte Person wäre vielleicht das Gespräch mit dem/den Lehrer/Eltern oder einer anderen Bezugsperson von Vorteil. 

 

Egal was die Lösung ist, der Gang zur Polizei sollte nur der letzte Ausweg sein, wenn es aber nicht anders funktioniert, dann wird der Polizei-Einsatz wohl auch ohne Strafe eine einschüchternde Wirkung haben. 

Meinung des Autors

Ich habe mich im Rahmen dieses Artikels  sehr intensiv mit dem Thema Cyber-Bullying auseinander gesetzt und konnte mir ein eigenes Bild machen. In den nächsten Zeilen möchte ich mal meinen Kommentar loswerden... Cyber-Bullying ist ein sehr ernstes Thema und wird von vielen Leuten unterschätzt. Häufig sind die Folgen von Bullying im Netz noch viel schlimmer, da dies nicht "nur" 3 Freunde mitkriegen, sondern eigentlich die halbe Welt aufgrund der Möglichkeiten vom Netz. Ein Anti-Cyber-Bullying Gesetz wäre evtl. ein guter Ansatz, wobei nur mit Gesetzen ist das Problem nicht gelöst. Es beginnt bereits bei der Aufklärung, denn ich denke, häufig sind sich die Täter der Ausmassen gar nicht bewusst, sie unterschätzen diese schlicht. 

 

Unter meinem Text hat auch der Josef noch seine Meinung dazu abgegeben.

Ich finde auch, dass Cyber Bullying sehr unterschätzt wird, wenn man bedenkt dass jede vierte Person davon betroffen ist. Solche "Attacken" können bei den Opfern bis zu Suizid führen, wenn es schlimm kommt. Es sollte dringend etwas dagegen unternommen werden. Ein Gesetz hilft mehr der Bestrafung als der Vorbeugung solcher Taten. Es wird sehr schwierig sein, etwas zu finden was man dagegen machen kann. Hier könnten unsere Politiker mal trumpfen.

Quellen

Blogpost von Sebi Ettter
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